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04.08.2026

Caritas-Präsidentin im Austausch mit dem SkF Recklinghausen

Betreuungsverein und Tafel berichten Eva Maria Welskop-Deffaa über wachsende Herausforderungen.

Die Zukunft der Betreuungsvereine und die Entwicklung der Tafel Recklinghausen standen im Mittelpunkt eines Besuchs von Eva Maria Welskop-Deffaa beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen e. V. Im Rahmen ihrer Tour durch Recklinghausen kam die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes am Dienstag, 4. August 2026, mit der Vereinsvorsitzenden Jutta Beeking, Geschäftsführer Giancarlo Cillis und Mitarbeitenden des SkF sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammen.

„Der Besuch von Frau Welskop-Deffaa war für unseren Verband eine besondere Wertschätzung unserer Arbeit“, sagte SkF-Geschäftsführer Giancarlo Cillis. Der offene und fachlich fundierte Austausch habe deutlich gemacht, dass Betreuungsvereine und Tafeln unverzichtbare Bestandteile der sozialen Infrastruktur seien. „Gemeinsam tragen wir Verantwortung dafür, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen verlässliche Unterstützung erhalten. Dafür brauchen wir dauerhaft gute politische und finanzielle Rahmenbedingungen.“

Welskop-Deffaa unterstrich, dass die Arbeit der Betreuungsvereine angesichts einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger werde. Immer mehr Menschen könnten ihre Angelegenheiten nicht allein regeln und benötigten Unterstützung in der Vermögenssorge, der Gesundheitssorge oder in Wohnungsangelegenheiten. „Es ist großartig, wenn sich Menschen ehrenamtlich für die Betreuungs-Aufgabe melden“, sagte die Caritas-Präsidentin. Sie bräuchten Qualifizierung und Begleitung, wie sie in Recklinghausen vom SkF geleistet werde. Sie sei dankbar für dieses Engagement und zugleich erschüttert darüber, wie schwer es sei, für die Arbeit der Betreuungsvereine eine verlässliche finanzielle Absicherung zu finden. „Und das, obwohl jedermann weiß, dass es unmöglich ist, rein auf familiäre Unterstützung zu setzen. Immer mehr Menschen haben keine Angehörigen, die ihnen bei Alltags-Entscheidungen ausreichend helfen können.“

Einen Schwerpunkt des Gesprächs im Katholischen Zentrum an der Kemnastraße 7 bildete die Situation des Betreuungsvereins im SkF Recklinghausen. Er übernimmt rechtliche Betreuungen und unterstützt ehrenamtliche Betreuer*innen unter anderem durch Beratung, Begleitung und Fortbildungen. Die Reform des Betreuungsrechts stellt die Vereine jedoch vor neue fachliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und zunehmende Schwierigkeiten, Menschen für die Übernahme einer ehrenamtlichen rechtlichen Betreuung zu gewinnen.

„Die Anforderungen an eine fachlich hochwertige rechtliche Betreuung sind gestiegen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Betreuungsvereine ihre Aufgaben auch wirtschaftlich dauerhaft erfüllen können“, erklärte Wiebke Janssen, stellvertretende Geschäftsführerin des SkF Recklinghausen und Fachbereichskoordinatorin für Rechtliche Betreuung und den Betreuungsverein. „Neben verlässlichen finanziellen Rahmenbedingungen brauchen wir ausreichend qualifizierte Fachkräfte und Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich Verantwortung für andere zu übernehmen.“

Für die Tafel Recklinghausen, die sich in Trägerschaft des SkF befindet, berichtete Koordinator Daniel Ruppert von einer widersprüchlichen Entwicklung. Nach Beginn des Krieges in der Ukraine war die Zahl der Kundinnen und Kunden rasch auf mehr als 2.000 gestiegen und bis Ende 2025 auf diesem hohen Niveau geblieben. Seit Sommer 2026 ist sie auf mehr als 1.700 Menschen zurückgegangen. Eine Rückkehr von der 14-täglichen zur wöchentlichen Lebensmittelausgabe ist dennoch nicht möglich. Durch den derzeitigen Rhythmus konnte die Tafel bislang einen Aufnahmestopp für neue Kundinnen und Kunden verhindern.

Der Rückgang der Gesamtzahl dürfe zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Not vieler Menschen verschärfe, betonte Tafel-Koordinator Daniel Ruppert. „Mehrfach in der Woche müssen wir Menschen mit kostenlosen Notversorgungen helfen, damit sie keinen Hunger leiden.“ Dies zeige, dass viele von Armut betroffene Menschen Schwierigkeiten hätten, mit ihrem Einkommen über den gesamten Monat zu kommen.

Positiv entwickelte sich die Menge der gespendeten Lebensmittel. Sie stieg von knapp 486 Tonnen im Jahr 2024 auf 554 Tonnen im Jahr 2025. Gründe dafür sind die bessere Versorgung über eine Verteilertafel, die Großspenden annimmt und weitergibt, sowie die verstärkte eigene Spendenakquise. Gleichzeitig bleibt der Betrieb auf das Engagement zahlreicher Freiwilliger angewiesen. Derzeit sind zwischen 110 und 120 Ehrenamtliche bei der Tafel aktiv. Veränderte Erwartungen und Unterstützungsbedarfe im Ehrenamt erhöhen allerdings den organisatorischen Aufwand. Mit Fortbildungen und einem Stammtisch will die Tafel die freiwillig Engagierten deshalb stärker begleiten und miteinander vernetzen.

„Wir sind Frau Welskop-Deffaa sehr dankbar für ihre klare Positionierung zu den Herausforderungen unserer Betreuungsvereine und der Tafeln“, sagte die SkF-Vorsitzende Jutta Beeking. „Als Deutscher Caritasverband verleiht sie den Anliegen der sozialen Praxis auf politischer Ebene eine starke Stimme. Für uns als Frauenfachverband ist diese Unterstützung von großer Bedeutung.“

An dem Austausch nahmen auch Dr. Sebastian Sanders, Beigeordneter und Sozialdezernent der Stadt Recklinghausen, sowie Ulrich Hempel, Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im Kreis Recklinghausen und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, teil.

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