03.11.2026
Jedes vierte Kind in Recklinghausen lebt in Armut
Der SkF Recklinghausen macht mit 50.000 Brötchentüten auf Kinder- und Jugendarmut aufmerksam, acht Bäckereien unterstützen die Aktion.
Diese Zahl macht nachdenklich: Jedes vierte Kind in Recklinghausen lebt in Armut. Auf diese Situation macht der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen e. V. mit einer besonderen Aktion aufmerksam. Gemeinsam mit acht Bäckereien bringt der Wohlfahrtsverband in diesen Tagen 50.000 eigens bedruckte Brötchentüten in Umlauf.
Unter dem Motto „Junge Armut!? Gemeinsam für Generationengerechtigkeit“ sollen sie dort für Aufmerksamkeit sorgen, wo täglich viele Menschen zusammenkommen: beim Bäcker um die Ecke.
Die Aktion findet im Rahmen der bundesweiten Armutswochen des Deutschen Caritasverbandes, des SkF Gesamtvereins und des SKM Bundesverbandes statt. Vom 17. Oktober bis zum 15. November rücken die Verbände in diesem Jahr die Armut junger Menschen in den Mittelpunkt. Dabei geht es nicht allein um fehlendes Geld, sondern auch um eingeschränkte Bildungschancen, gesellschaftliche Teilhabe und die Frage, wie junge Menschen trotz schwieriger Lebensbedingungen eine selbstbestimmte Zukunft gestalten können.
Wie sehr finanzielle Not den Alltag von Familien bestimmt, erlebt Sozialarbeiter Daniel Ruppert, Koordinator der Tafel Recklinghausen beim SkF, in seiner täglichen Arbeit. „Armut ist längst kein Randphänomen mehr. Wir erleben immer häufiger, dass sich die finanzielle Situation von Familien durch Energieschulden und steigende Alltagskosten massiv verschärft. Darunter leiden auch die Kinder und Jugendlichen“, berichtet Ruppert.
Gerade für junge Menschen kann Armut weitreichende Folgen haben. Wenn Geld für Klassenfahrten, Vereinsbeiträge, Freizeitaktivitäten oder notwendige Anschaffungen fehlt, bleiben ihnen Möglichkeiten verschlossen, die für Gleichaltrige selbstverständlich sind. Finanzielle Sorgen innerhalb der Familie können zudem die persönliche Entwicklung und den Bildungsweg belasten. Für den SkF sei deshalb entscheidend, Menschen in schwierigen Lebenssituationen möglichst früh zu erreichen. Neben der Versorgung mit Lebensmitteln durch die Tafel spielen die Beratungs- und Unterstützungsangebote des Verbandes eine wichtige Rolle.
„Es ist uns ein großes Anliegen, junge Menschen in Armut zu erreichen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie im Alltag benötigen“, betont die SkF-Vorsitzende Jutta Beeking. Ihre Stellvertreterin Dr. Barbra Haase ergänzt: „Gerade die Verbindung unserer Beratungsangebote mit der Tafel ermöglicht schnelle und unbürokratische Hilfe. So können wir Familien in akuten Notlagen unterstützen und dazu beitragen, ihre Lebenssituation langfristig zu stabilisieren.“
Wie bereits im vergangenen Jahr hat der SkF 50.000 Brötchentüten drucken lassen. Ab Montag, 2. November, werden sie an die beteiligten Filialen ausgeliefert und anschließend beim Verkauf von Brot und Brötchen ausgegeben. Auf der Vorderseite steht in großen Buchstaben: „Jedes 4. Kind in Recklinghausen lebt in Armut“. Ergänzt wird die Botschaft durch einen Spendenaufruf mit QR-Code. Auf der Rückseite sind die beteiligten Bäckereien aufgeführt.
Unterstützt wird die Aktion von den Bäckereien Bomheuer, Brinker, Hövelmann, Küper, Lensmann, Malzers und Martin sowie der Leuchtwerkstatt. Insgesamt beteiligen sich 24 Verkaufsstellen in Recklinghausen.
Zum Auftakt kamen Vertreterinnen und Vertreter des SkF-Vorstands am Montag, 2. November, in der Bäckerei Martin in Suderwich an der Schulstraße 15 zusammen. Inhaber Michael Martin unterstützt die Aktion und möchte dazu beitragen, dass die Situation armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher stärker wahrgenommen wird. „Unsere Brötchentüten nehmen die Menschen mit nach Hause. Wenn sie dabei auch eine wichtige Botschaft mitnehmen, haben wir schon viel erreicht. Deshalb unterstützen wir diese Aktion gerne.“
Mit der Aktion möchte der SkF nicht nur auf das Ausmaß der Kinder- und Jugendarmut aufmerksam machen, sondern auch Menschen gewinnen, die sich für Betroffene einsetzen. Gefragt sind ehrenamtliches Engagement ebenso wie Geld- und Sachspenden, mit denen die verschiedenen Hilfsangebote des Verbandes unterstützt werden können.
„Wenn jedes vierte Kind in unserer Stadt von Armut betroffen ist, dürfen wir das nicht als gegeben hinnehmen“, sagt Jutta Beeking. „Diese Kinder und Jugendlichen gehören zu unserer Stadtgesellschaft. Sie brauchen Chancen, Unterstützung und Menschen, die nicht wegschauen.“